UL 1446, Ausgabe 7 - alles neu?

Anwender von Isoliersystemen wie z.B. Transformatorbauer oder Elektromotorenhersteller kennen diese UL-Norm bestens. Historisch gesehen ist die Norm sehr alt und hat sich über die Jahre nicht wesentlich geändert. Allerdings machten die technischen Fortschritte nun endgültig eine Revision und Überarbeitung notwendig. Daher gibt es seit 11. November 2016 die Ausgabe 7 mit einigen Neuerungen und etlichen Anpassungen.

Neben der Aufgabe, sich an die heutigen, industriellen Gegebenheiten anzupassen, sollte die neue Normausgabe auch international harmonisiert werden. Deswegen sind auch alle Verweise auf u.a. ASTM/IEEE-Normen entfernt worden. Stattdessen sind wo immer möglich Referenzen hergestellt zu den jeweiligen IEC-Testnormen.

UL 1446 ist also eine Art Dachnorm, die mit Hilfe von Tests aus anderen Normen ein Elektroisoliersystem (EIS) charakterisiert.

Ohne auf die genauen Testprozeduren einzugehen, hier die zwei wesentlichen Möglichkeiten: es können entweder im Full-Time-Aging Test komplett neue Isoliersysteme spezifiziert werden (Projektlaufzeit ca. 1 – 1,5 Jahre; ergibt den Temperaturindex TI des EIS) oder vergleichend mit einem im Feld bereits erprobten System (Projektlaufzeit 3-5 Monate; ergibt den relativen Temperaturindex RTI).

Eine wesentliche Veränderung der UL 1446 ist u.a. die Öffnung der Norm auch für höhere Betriebsspannungen wie die bislang geltende Grenze von 600 V/1000 V. UL 1446 kann nun auch für Spannungen bis 15.000 V eingesetzt werden (z.B. Zündtrafos, High Insulation Transformers).

Die Testverfahren zur Beurteilung eines Isoliersystems nach UL 1446 sind in IEC 61857, Teil 1 und Teil 2 beschrieben.

Eine weitere Änderung ist die Neuordnung der Reihenfolge der Kapitel. Dadurch soll die Lesbarkeit und die Zuordnung der verschiedenen Komponenten in einem EIS erleichtert werden. Ein neu in die Norm eingefügter Bereich ist eine Corssreferenz-Liste zwischen nach „amerikanischen“ Standards validierte Drähte und solche nach IEC-Normen.

Eine weitere wesentliche Änderung ist die Unterscheidung nicht mehr nach Major- und Minor-Parts. Vielmehr werden die Produkte innerhalb eines EIS heute nach ihrer Funktion betrachtet: Haben sie nur einen mechanischen Grund für Ihre Anwesenheit im Elektroisoliersystem (z.B. Stützformteile in Öltransformatoren), so bezeichnet man sie als NIM (None Insulation Material). Haben sie dagegen eine dielektrische Aufgabe, so sind es EIM (Elektrical Insulation Material).

Abhängig von der Endanwendung kann es notwendig werden, Elektroisoliersysteme mehrfach zuzulassen, da ein NIM innerhalb eines Elektroisoliersystems nicht zum EIM mutieren kann. Es lohnt sich also, ausgehend von den Anforderungen an das Isoliersystem in der konkreten Endanwendung, seine Materialien in einem zu testenden EIS zusammen zu stellen (Top down, nicht bottom up).

Elektroisoliersysteme für definierte Betriebszeiten (DTLA-EIS; Defined Life Thermal Aging)

Um den Marktzugang zu erleichtern (immerhin dauert eine komplette Neuzulassung eines Isoliersystems über ein Jahr), gibt es die Möglichkeit, EIS für verkürzte Betriebszeiten zu definieren.

Beispiel sei ein elektrischer Mixer in einem privaten Haushalt. Der Motor in solch einem Mixer ist selbst bei intensivem Bedarf nur wenige Stunden pro Monat in Betrieb. Hier eine Standard-Lebensdauer des Elektroisoliersystems von 20.000 Stunden zu fordern, schießt über das Ziel hinaus.

Deswegen können heute mit verkürzten Prüfzeiten und vereinfachten Prüfverfahren (IEC 61857.31; weniger Proben, Ein- oder Zweitemperaturen-Messung) Isoliersysteme für 1.500 h, 2.500 h, 4.000 h und 5.000 h definiert werden. Diese Systeme erhalten neben der Temperaturklasse (RTI) auch eine Zeitklasse, die den Verwendungszeitraum beschreibt.

(c) Friederici, Januar 2017